Wissenswertes: Wie läuft eine Aufstellung ab?

 

Aufstellungen sind eine wirkungsvolle Methode, um bei ganz unterschiedlichen Fragestellungen neue Erkenntnisse zu gewinnen und Veränderungen zu initiieren. Wie läuft eine Aufstellung ab?
In einem Vorabgespräch klären wir Fragestellungen und gewünschte Lösungen. Das kann man sich wie eine Art Interview vorstellen. Mögliche Fragen können sein: Was möchten Sie verändern? Oder: Was wäre ein gutes Ergebnis für Sie? In diesem Gespräch wird auch abgeklärt, wie die Aufstellung abläuft: in einem geschützten 1:1 Setting? Oder dynamisch in der Gruppe mit sogenannten Repräsentanten, die in die Rolle einzelner Personen oder Themen „schlüpfen“.

Am wirkungsvollsten gelten Aufstellungen mit Repräsentanten. Welche Rolle übernehmen diese?
Aus den teilnehmenden Personen wählt der Klient ganz intuitiv Personen als Stellvertreter für alle relevanten Aspekte aus (dies können Personen, Gefühle, oder auch „unsichtbare“ Hindernisse sein). Diese positioniert er – wieder ganz intuitiv – im Raum. Ganz wichtig ist: Dabei kann man nichts „falsch“ machen – es genügt,  ganz intuitiv seinem Gefühl zu folgen. Auch für „sich selbst“ wird ein Stellvertreter gewählt. Ich stelle diesem Repräsentanten sehr gerne immer noch ein „Selbst“ als Synonym für alle eigentlich vorhandenen Ressourcen und Qualitäten zur Seite.

Was kann der Aufsteller oder Coach bereits aus diesem Anfangs-Bild lesen?
Das aufgestellte Bild gibt dem Aufstellungsleiter Einblicke in das, was auf einer unausgesprochenen und unbewussten Ebene im System wirkt. Die anschließende Befragung der aufgestellten Repräsentanten lässt meist erstaunliche Erkenntnisse über vorhandene Beziehungen und „Hindernisse“ zu. Personen „sehen sich nicht“, empfinden auf einmal Aggressivität oder fühlen sich am falschen Platz. Verblüffend: Oftmals stimmen Worte oder Körperhaltungen, die die Stellvertreter einnehmen oder verwenden, frappant mit den Gesten und der Mimik der realen Person überein, auch wenn die Repräsentanten die "Original-Personen" nicht kennen.

Wie geht es im Anschluss weiter, mit welchen Ritualen werden beispielsweise Verstrickungen gelöst?
In der darauf folgenden Prozessarbeit werden durch bestimmte Rituale (Analyse der Gefühle, Umstellen der Personen, Hinzustellen neuer Aspekte, Ablösungsprozesse, Perspektivenwechsel, Sprechen lösender Sätze) so lange Veränderungen herbeigeführt, bis es allen Beteiligten besser geht und - das ist das Wichtigste – bis Sie als Klient ein für Sie stimmiges Bild haben.

Als Klient sehe ich ja nur „von außen“ zu? Kann ich mich aus meiner Position auch einbringen?
Gilt es, eine neue, heilsame Ordnung für das System zu finden und Verstrickungen aufzulösen, wird der Coach Sie selbstverständlich aus dem Beobachterkreis in die Aufstellung bitten – Sie nehmen dann den Platz Ihres Stellvertreters ein.
Dies ist ein ganz besonderer und häufig emotionaler Moment: Sie stehen - begleitet von Ihrem Aufstellungsleiter - eine Weile an diesem neuen Platz, um all das wahrzunehmen, was sich verändert hat und sich den Zugewinn an Kraft und Klarheit einzuprägen. Der Eintritt in das gefundene Lösungsbild ist meistens der Beginn von etwas Neuem, beispielsweise eine neue Sichtweise. Die Umsetzung auf die Handlungsebene braucht manchmal etwas Zeit – aber sie wird sich ganz automatisch ein“stellen“.

 

Matthias Becker *** Oskar-von-Miller-Str 18 *** 82256 Fürstenfeldbruck *** 0172 1638439 *** mb(at)vigardo(dot)net